Das Gemeinwohl im Blick – Junglandwirt*innen im Wiesental

Auf Einladungn von engagierten Junglandwirten im oberen Wiesental traf ich mich mit diesen an einem neu errichteten Wolfszaun am  Dornwasen in Fröhnd.

Wölfe als Teil der biologischen Vielfalt Europas, waren in Deutschland durch die intensive Bejagung früherer Jahrhunderte ausgerottet. Die Art ist nach der Berner Konvention des Europarats, dessen stellvertretendes Mitglied ich in dessen Kongress bin, europaweit streng geschützt und verbreitet sich wieder – so auch in Deutschland:

Nach dem Wolfsmonitoring 2020/21 wurden insgesamt 158 Rudel und 27 Paare und 20 territoriale Einzeltiere nachgewiesen, davon ein Großteil in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen. Die europäischen Länder dürfen keine von den internationalen abweichenden Regelungen erlassen. Es ist unter anderem verboten, Wölfe zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Ein Verstoß dagegen ist strafbar. Im Einzelfall sind schon jetzt Ausnahmen von diesen Verboten möglich: Zur Abwendung ernster land- oder forstwirtschaftlicher oder sonstiger ernster wirtschaftlicher Schäden oder im Interesse der Gesundheit des Menschen oder der öffentlichen Sicherheit Ausnahmen möglich sind (vgl. § 45 ff BNatSchG). Gleiches gilt im Übrigen bei Gefahr im Verzug bzw. zur Abwendung einer akuten Gefahr.

Erste vereinzelte Wölfe kommen mittlerweile auch in Baden-Württemberg wieder vor: zurzeit sind drei sesshafte, männliche Einzeltiere nachgewiesen:

    • im Nordschwarzwald der Wolf mit der wissenschaftlichen Kennung GW852m, der aus Niedersachsen zugewandert ist
    • im Südschwarzwald die Wölfe GW1129m (aus Niedersachsen) und GW2103m (Alpen-Population).

Der nun neu errichtete Wolfszaun in gebirgigen Gelände war eine Herausforderung für die Ersteller. Er wurde jedoch vom Land Baden-Württemberg zu 100% bezahlt. Wir wollen die Beratung zum Herdenschutz im Land verstärken. Den engen Kontakt zu den Weidetierhalter:innen wollen wir halten und weiter ausbauen, um die Situation laufend im Blick zu haben. In diesem Zusammenhang ist auch das Herdenschutzzentrum in Heidenheim zu nennen. Mit dem Ausgleichsfonds Wolf besitzen wir in Baden-Württemberg aktuell ein gutes System. Auch bisher Geschädigte bestätigen: Die Entschädigungen werden schnell, unbürokratisch und angemessen ausgezahlt und dies zumal außerhalb von Deckelungen durch die EU-de-minimis-Regelungen.

Steigt die Zahl der so genannten „residenten“ Wölfe, die über längere Zeit in einem bestimmten Gebiet leben, führt dies früher oder später auch zur Rudelbildung. Wir werden dann entsprechend das Wolfs-Monitoring verstärken. Auf Basis des Bundesnaturschutzgesetzes können sogenannte Problemwölfe genau beobachtet und unter Umständen entnommen werden. Dies ist – neben dem Herdenschutz – ein weiteres Instrument zum Schutz der Weidetiere. Wir werden alle Akteur*innen eng einbinden.

Doch wir sprachen nicht nur über Wölfe, sondern diskutierten angeregt über die Zukunft der Landwirtschaft im Südschwarzwald, die  Offenhaltung der Landschaft, die Regionalvermarktung und vieles andere mehr. Ich zollte den jungen Landwirt*innen meinen großen Respekt und Hochachtung für ihr Engagement und die große Heimatverbundenheit, die im Übrigen ein großes Gemeinwohlinteresse zum Ausdruck bringt.

 

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